|
Der falsche
Landsmann Wie ich einmal dem Peter Maffay
fast die Hand gedrückt habe Das passierte irgendwann Mitte der
neunziger Jahre in Tutzing am Starnberger See. Ich saß in einem kleinen
italienischen Restaurant mit meinem damaligen Chef. Wir hatten bereits
bestellt. Während wir warteten, zogen wir unsere Geschäftsführung durch den
Kakao. Unser Essen kam. Mein Chef
stocherte in seinem Thunfischsalat herum, ich fing an, meine Spaghetti
Carbonara zu essen. „Wie kannst du nur diese Kotze
essen?“, fragte er angewidert. Er hatte schlechte Laune. Wegen der
Geschäftsführung, versteht sich. „Pass auf, ich lasse dich hier
sitzen und gehe zum Nachbartisch, wenn du so weiter machst.“ Das hatte ich
einmal tatsächlich mit ihm angestellt, aus einem ähnlichen Grund. „Mhm, Mhm. Das kannst du nicht
machen. Der ist besetzt. Guck mal, das ist doch der Dings ... Dein Landsmann ...
wie heißt er doch gleich?“ Ich drehte mich um. Am Tisch
hinter mir saß der Peter Maffay mit drei weiteren Personen. „Peter Maffay“ sagte ich zu meinem
Chef. „Er ist aber mitnichten mein Landsmann. Er ist, so viel ich weiß, ein
Siebenbürger Sachse aus Kronstadt, ich bin bloß Siebenbürger. Obwohl, wenn
ich richtig überlege, sein echter Name klingt eher ungarisch. Makkay hieß er.
Er könnte also auch ein Siebenbürger Ungar oder ein Szekler sein.“ „Du kannst mir aber nicht
weismachen, dass das etwas ausmacht. Ihr seid doch Landsleute, oder?“ „Frag' doch ihn“, schlug ich vor. Wir aßen, tranken jede Menge
Rotwein und zogen die Geschäftsführung weiter durch den Kakao. Am Tisch hinter mir wurde laut
geredet, ich bekam trotzdem nur wenig mit. Einer von den Burschen war
offenbar sein Manager. Der sprach am meisten und gab mächtig an. Der gute
Peter Maffay hielt sich ziemlich zurück. Wegen des allgemeinen Gemurmels
konnte ich seine tiefe Stimme kaum wahrnehmen. Irgendwann zahlten sie und
gingen. Mein Chef meinte gerade, unser
Chief Executive Officer hätte so viel Weitblick, dass er mit beiden Augen
durch ein Schlüsselloch gucken könnte. „By the way: Dein Landsmann hat
seinen Schlüsselbund vergessen“, teilte er mir gut gelaunt mit. Ich drehte
mich nochmals um. Halb versteckt unter einer Serviette konnte ich einen
Schlüsselbund erblicken, der, nach seiner Lage zu urteilen, in der Tat Peter
Maffay gehören musste. Ich stand auf, lief 'rüber und nahm das Ding an mich.
Es war ein Ring mit etlichen Schlüsseln, darunter auch ein Autoschlüssel, die
Marke habe ich vergessen. „Der kommt bald wieder, es sei
denn, er wurde von seinem Impresario hierhergefahren. Sein Autoschlüssel
hängt dran“, sagte ich und setzte mich wieder hin. Kaum hatte ich das getan,
kam er schon zurück. Ich hielt ihm den Schlüsselbund entgegen und ließ ihn
gut sichtbar baumeln. „Ach, danke schön, das ist ja
wirklich nett“, sagte er zu mir, lächelte etwas verlegen, schnappte sich
seinen Schlüsselbund und verschwand. Und das war alles. Anschließend musste ich meinem
Chef erklären, ich hatte ihn deswegen nicht auf rumänisch angesprochen, weil
ich ihn überhaupt nicht angesprochen habe. Das quittierte er mit einem „Quatsch“.
Dann versuchte ich ihm zu erklären, dass Siebenbürgen und Transylvanien
ziemlich das Gleiche bedeuten. Das wurde mit einem weiteren „Quatsch“
belohnt. Wir ließen noch mehr Rotwein bringen und landeten schließlich wieder
bei der Geschäftsführung. |
|