Petrică, damals etwa 40, hat Hände wie Schaufeln und den Verstand eines 8-jährigen.
Er ist imstande, jedes Werkzeug, mit dem er arbeitet, kaputtzukriegen, sogar ein Brecheisen. (Er hat jedoch vor etwa 10 Jahren seine Grenzen erreicht, als er mit seinen Händen versucht hatte, einen Betonmischer anzuhalten und daraufhin in die Notaufnahme gefahren werden musste.)
Die Heuernte stand an. Petrică und seine ganze Familie hatten das Mähen unseres 10.000 m2 großen Ferienhausgrundstücks gegen die Heuernte übernommen. Damals gab es im Dorf noch viele Kühe. (Heute mähe ich das Gras mit einem Gestrüpmäher und lasse das Zerkleinerte liegen. Im Supermarkt gibt es Müllermilch und „German Butter“.)
Mein Stiefsohn Sven, zu der Zeit 13 Jahre alt, guckte fasziniert zu, weil man sowas in Deutschland nicht zu sehen bekommt. Und Petrică hatte Durst.
»Bringst ma‘ Wasser?«, sprach er zu Sven, der kein bisschen Rumänisch versteht.
»Der versteht dir doch nicht«, sagt der Zorel zu ihm. »Geh selbst hin, klopf an der Tür und bitte drum.«
»Wieso versteht er mir nicht?«
»Der ist doch Deutscher!«
»Und was ist, wenn er Deutscher ist?«
»Du Petrică, der Deutsche spricht nur Deutsch!«
»Aber er muss mir verstehen, weil ick Rumänisch spreche!«
»Wie soll er dir verstehen, wenn er kein Rumäne ist?«
Petrică kaut eine Weile darauf herum. Danach fängt er wieder an.
»Was denn, ist der Zigeuner etwa Rumäne? Und ist der Ungar Rumäne? Wieso verstehen sie mir?«
Von seinen Argumenten vollends überzeugt, hebt er die Plastikflasche aus dem Gras, zeigt sie Sven und wackelt damit, um zu zeigen, dass sie leer ist.
»Bringst ma‘ Wasser?«
Sven geht Wasser holen.
»Und, hast du gesehen, dass er mir versteht?«
Der arme Petrică glaubt bis heute, dass die Deutschen, sprich meine Frau Vera und die Kinder Sven und Sinah, ihm verstehen, jedoch zu hochnäsig sind, um mit ihm zu reden.
Seine Überzeugung wäre noch fester, wenn hier in der Gegend auch Vertreter einer deutschen Minderheit gäbe, nicht nur Ungarn und Zigeuner, denn sie würden ihm auch verstehen. Aber hier, mitten in den Westkarpaten, gibt es sie nicht.
(Original sehe hier.)


