Das Zweite Leben (1)

Mein neues Leben fing Anfang 1975 in Bonn an, als ich, 27 Jahre alt, mit einem Koffer in der Hand und mit 700 Mark in der Brieftasche, mich von der übrigen rumänischen Delegation abgesetzt habe. Es war der Moment der großen Befreiung: Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nicht richtig daran geglaubt, dass ich es schaffe. Während der ganzen Zugfahrt habe ich noch befürchtet, dass man mich zurückschickt.
Ich versuchte, einem kroatischen Taxifahrer auf Französisch zu erklären, dass ich ein billiges Hotel suche. Erstaunlicherweise hat er verstanden, was ich wollte und fuhr mich nach Beuel, in eine kleine Kaschemme, wo auch hauptsächlich Serbokroatisch und Türkisch gesprochen wurde.
Am nächsten Tag nahm ich meinen Koffer und trottete den langen Weg nach Bad Godesberg zur schwedischen Botschaft. Gepanzerte Fahrzeuge und auch Polizeiautos
fuhren völlig unbeteiligt an mir vorbei. Der Lauf dauerte ewig. Auf dem Stadtplan schien es ein Katzensprung zu sein.
An der Botschaft angekommen, erklärte ich in meinem Schulfranzösisch, dass ich nach Schweden reisen möchte. Ich wurde zum Konsul gebracht. Dieser hörte sich meine Geschichte an und ließ sich meine Papiere zeigen. In einem, für meine Ohren perfektem Französisch, eröffnete er mir, dass ich dafür ein Visum brauche. Ich müsste einen Antrag stellen, die notwendigen Formalitäten könnten bis zu drei Monaten dauern. Für diese Zeit müsste ich meinen Aufenthalt in Deutschland irgendwie sichern. Er gab mir eine Visitenkarte und schickte mich weg.
Diesmal nahm ich ein Taxi.
Es war die Adresse eines Anwalts, der für Caritas arbeitete. Und von hier an bekamen die Ereignisse eine atemberaubende Geschwindigkeit. Innerhalb von wenigen Tagen traf ich etliche Landsleute, die in Bonn lebten, wurde in der Wohnung einer deutschen Familie untergebracht, die gerade Urlaub machte, nahm Kontakt mit dem Katholischen Auslandssekretariat und mit der Rumänischen Katholischen Mission in Deutschland auf und wurde für 6 Monate zu einem Deutsch Intensivkurs nach St. Augustin geschickt.
Die Stiftung Cusanuswerk gewährte mir im Anschluss daran ein Stipendium von monatlich 500 DM für die Dauer von drei Jahren, um meine Promotion fertigzustellen, die ich in einem Universitätsinstitut in Bonn absolvierte.
Das Visum für die Reise nach Schweden habe ich nicht mehr beantragt.

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