Bonner Kochclub, 1975

In den Siebzigern bin ich in Bonn für einige Zeit in eine kosmopolite Gesellschaft geraten, so eine Art intellektuell angehauchten Kochclub. Die Gastgeberin war Sekretärin im Auswärtigen Amt, wählte grün und war die geheime Geliebte eines hohen CDU-Parteifunktionärs. Der heutige Koch war der Libanese Abdel Nour, ein Botschaftsangehöriger, Kulturattaché oder so was. Das Essen schmeckte göttlich, der Wein auch.
Mein Freund Riess, ein Siebenbürger Sachse aus Kronstadt, dem ich die Einladung und die Bekanntschaften zu verdanken hatte, stand zwischen zwei Gängen auf und erklärte, er ginge kurz weg, seine Dulcinea anzurufen. Damit war seine Frau gemeint, die zu Hause bleiben musste, weil das eine Kind krank war.
„Wie kannst du nur so von deiner Frau reden? Dulcinea ist doch ein Bauerntrampel!” entrüstete sich meine Tischnachbarin, eine zickige Blondine, deren Nase genauso lang und scharf war wie ein Eispickel. Sie war irgendetwas in Richtung Journalistin oder Pressereferentin, jedenfalls hatte sie eine philologische Ausbildung, die sie ausgiebig öffentlich auslebte.
Mein Freund holte tief Luft und sagte dann in einem zuckersüßen Ton:
„Du weißt doch als Philologin am besten, man kann ein Wort auch im übertragenen Sinn verwenden. Und außerdem, ich habe doch jedem hier reichlich Gelegenheit geboten, mich und auch meine Frau kennenzulernen. Warum sollte mich jemand überhaupt missverstehen? Ich meine, außer dir, natürlich.” Kein Anwalt lässt die Gelegenheit für einen höflichen Seitenhieb aus.
Hier versuchte der kahle polnische Komponist mit einem „Ähem. Was ich noch sagen wollte …” das Thema zu wechseln. Vergeblich.
„Das sind doch Ausflüchte. Ihr Männer redet hinter vorgehaltener Hand immer abfällig über eure Frauen. Aber das tut ihr nie in ihrem Beisein, dazu seid ihr zu feige.”
„Da ist was dran. Ihr Frauen seid viel mutiger. Meine z.B. nennt mich Häschen, auch wenn ich dabei bin. Was meinst du, ist das positiv oder negativ zu werten? Sollte ich mir deswegen vielleicht Sorgen machen?”
„Ich glaube, da fragst du lieber mich. Ich bin Biologe” mischte ich mich ein. Dabei bin ich, unter uns gesagt, Chemiker.
Der Streit war nun – bis auf ein paar giftige Blicke – abgewendet. Ich konnte mich für diese diplomatische Meisterleistung beglückwünschen. Und auch dafür, dass ich damit die Versuche der Gastgeberin, mich mit der Dame zu verkuppeln, wohl endgültig vereitelt hatte: Sie bevorzugte offensichtlich Geisteswissenschaftler.

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